×

Die Kaufmannsburg Frenzelhof,
ein prächtiges
Ensemble gotischer Baukunst !

Erbaut im 15. Jahrhundert ist der Frenzelhof eines der ältesten Hallenhäuser in Görlitz. Johann Wolfgang von Goethe weilte einst in der Stadt und war von den Häusern der Tuchhändler derart fasziniert, dass er sie die „Kaufmannsburgen von Görlitz” nannte. Gelegen an der großen europäischen Handelsstraße „Via Regia” zählte dieses Hallenhaus zu seiner Zeit zu einem der wichtigesten hiesigen Handelshöfe. Heute bietet es seinen Gästen Einblick in die Geschichte des mittelalterlichen Görlitz.

Die Görlitzer Hallenhäuser

entstanden vor dem Hintergrund entscheidender, wirtschaftlicher Veränderungen in der Zeit um 1500. Das im Fernhandel privilegierte Görlitz war ungeheuer reich und seine Bürgerschaft hatte einen hohen kulturellen Anspruch. In Kombination mit einer zu dieser Zeit sehr weit gereiften Bautechnik entstanden in Görlitz Handelshöfe von höchstem künstlerischen Anspruch. Der Frenzelhof ist eines der ältesten Hallenhäuser in Görlitz. An der großen europäischen Handelsstraße “via regia” gelegen, war das Haus eines der wichtigsten Handelshöfe in Görlitz. Außerdem beherbergte es noch einen Bierschankkeller, den heutigen „Wurzelkeller”.

Von der Straße gelangt man durch ein prächtiges Portal in die hausbreite und eineinhalb Geschosse hohe Eingangshalle. Die für Görlitzer Handels- und Brauhöfe typische Zentralhalle ist ein hoher Gewölberaum, durch dessen hoch oben angebrachte Fenster Licht in den sonst dunklen mittleren Hausbereich fällt. Diese Halle diente früher der Präsentation und dem Verkauf der im Fernhandel begehrten Waren. Sie war aber auch der Schankraum dieses brauberechtigten Hauses.

Von der Halle gelangte man durch eine tonnengewölbte Durchfahrt zum Hof und zu den Braukellern – heute Wurzelkeller. Diese Keller sind in mehreren verschiedenen Ebenen bis zu einer Tiefe von sechs Metern untergebracht.

Ebenfalls von der Eingangshalle gelangt man in die zehn Meter hohe Zentralhalle und die Obergeschosse, die heute die Hotelzimmer und den Renaissancesaal beherbergen.

Die Sandsteinfiguren im oberen Lichthof

Die sind heute im ersten Stock der Hotelhalle angebracht, einst standen sie an anderer Stelle. Dargestellt sind Maria mit dem Kind, die Himmelskönigin und Gottesmutter – leider ist ihr Kopf verloren gegangen, doch blieben die Strahlen erhalten - und Johannes der Täufer, der Namenspatron von Hans Frenzel. Die zwei überlebensgroßen Sandsteinfiguren stammen von der spätgotischen Fassade zum Unterhof. Als man deren Giebel in der Barockzeit abgebrochen hatte, verschwanden diese Figuren, wurden als Gartenplastiken verwendet oder mit dem Bauschutt gefüllt und erst bei Restaurierungsarbeiten wieder gefunden. Trotz der Zerstörung ist ihre einstige Qualität zu erahnen – es handelt sich wahrscheinlich um Arbeiten des Görlitzer Steinmetzen und Bildhauers Albrecht Stieglitzer, in dessen Werkstatt auch die Figuren der Görlitzer Annenkapelle geschaffen wurden. Sie gehören zu den schönsten Werken der Bildhauerei in der Oberlausitz um 1500.

Venus

An der Decke wurde bei der letzten Restaurierung ein ehemals an anderer Stelle befindliches barockes Deckengemälde angebracht. Es zeigt Venus, die den schlafenden Adonis entdeckt. Entstanden ist das auf der Leinwand gemälte Ölbild nach einer Kupferstichvorlage um 1700; der Name des Malers ist nicht überliefert.

die Schatzkammer

Herzstück des Frenzelhofes ist die Schatzkammer, welche der Familie Frenzel einst als Privatkapelle diente und in ihrem Zustand fast einmalig ist.

Von der Zentralhalle betritt man einen der schönsten Räume der Stadt Görlitz, die sogenannte Schatzkammer, die ursprünglich als Privatkapelle des Hans Frenzel und seiner Familie diente. Mit eiserner Tür und feuersicheren Gewölben versehen, diente sie zudem als Tresor und Aufbewahrungsort wertvoller sakraler Gegenstände.

Ein unbekannter Maler hat diesen Raum 1515 reich ausgemalt - mit den bedeutendsten Wandmalereien des ausgehenden Mittelalters, die sich in der Oberlausitz erhalten haben. Woher dieser Maler kam, weiß man nicht. Er kannte aber auf jeden Fall die Kunst Böhmens und hat wohl auch italienische Werke gesehen.
Ein altes Netzgewölbe gibt den Blick frei auf einen himmlischen Garten: Vor dunklem Grün sind Blumen und farbenprächtige Kränze angeordnet. Unten umzieht den Raum eine gemalte Brüstungsmauer, über die aufwendige Teppiche aus dem Orient herabhängen. Tatsächliche Nischen für die Aufbewahrung von Gerätschaften wechseln mit gemalten Türchen und Wandschränken ab.
Auf der Brüstung stehen Gefäße - Pokale, Schalen und Vasen aus Email, Silber, Glas und Gold, die den Reichtum und den Prunk des Haushaltes von Hans Frenzel dem Reichen vor Augen führen.
Dazwischen liegen Früchte und tummeln sich Vögel als jubilierende Bewohner dieser Laube. Es sind Vögel, die um 1500 vor allem im Mittelmeerraum heimisch waren und so ebenfalls die weitreichenden Beziehungen des Hausherrn und seine Freude an exotischen Schätzen offenbaren.
Ähnliche Hintergründe haben die Darstellungen am Bogen zum vorderen Raumteil. Dort ist zum einen der Riese Christopherus dargestellt, der nach der Legende die Reisenden über den reißenden Fluss trug - einmal auch das Christuskind - und so zum Schutzheiligen aller Menschen wurde, die unterwegs sind. Er begleitete die Reisenden und man glaubte, wer an einem Tag sein Bild erblickt, stirbt nicht unvorbereitet.

Die heiligen drei Könige

Schatzkammer-Hl-Fam2An der Stirnwand ist das große Bild der Anbetung der heiligen drei Könige zu sehen. Die drei Könige in aufwändigen Gewändern und mit Kronen geschmückt, bringen dem Christuskind ihre Geschenke. Sie nähern sich der Maria im leuchtend blauen Mantel. Hinter ihr steht Joseph. Da die drei weit gereisten Könige oder Magier im Mittelalter als die besonderen Schutzheiligen aller Reisenden und Händler galten, sind sie hier als die Schutzheiligen von Hans Frenzel und seines Geschäftes dargestellt.

Der heilige Hieronymus

Mit Reisenden und Kaufleuten hat auch der hl. Hieronymus zu tun, der als rot gekleideter Kardinal in der Wüste mit einem Löwen gezeigt wird. Er hatte diesen Löwen von einem Dorn befreit und seither bewachte der den Heiligen. Als später diebische Händler in das Kloster des Heiligen eindrangen und sich des Schatzes bemächtigten, wurden sie vom Löwen verfolgt. Deshalb ist der hl. Hieronymus auch der Patron der ehrlichen Kaufleute.

Der heilige Onuphrius

Weniger mit dem Handel als mit dem Handelsgut hat der dritte wiedergegebene Heilige zu tun - sein Bild ist allerdings leider stark beschädigt. Es handelt sich um einen in der Wüste vor einem Felsen knieenden Mann. Es ist der hl. Onuphrius, der sich in totaler Askese in die Einöde zurückgezogen hat. Bei Verzicht auf Kleidung und Nahrung wurde er mit himmlischer Speise versorgt und auf seinem nackten Körper wuchs ein dichtes Fell, das ihn fleckenartig bedeckte.
Dieser Umstand war der Grund dafür, weshalb ihn im Mittelalter die Weber und Tuchmacher zu ihrem Schutzheiligen auserkoren. Und Hans Frenzel tat gut daran, ihn hier als den Patron des wichtigsten Gewerbes seines Handelsimperiums unter seine eigenen Schutzheiligen einzureihen!

Anna und ihre Töchter

Einen mehr privaten Bezug zu Hans Frenzel zeigt das große Bild im vorderen Teil des Raumes, wo einst vor dem großen Vorhangbogenfenster der Altar stand. Dort ist die Heilige Sippe wiedergegeben, die legendarische Familie Christi.
Nach einer mittelalterlichen Legende war Maria die Tochter Annas, die insgesamt drei Töchter hatte, die alle drei Maria hießen. Sie sind hier mit ihren Kindern dargestellt, die wiederum nach der Legende später Jünger von Christus wurden.
In der Mitte erkennt man im blauen Mantel Maria, rechts neben ihr Anna, dazwischen das Christuskind. Seitlich sind die beiden anderen Marien zu sehen, im Hintergrund die Männer dieser Frauen und weitere Familienmitglieder. Zur Zeit Hans Frenzels war Anna eine der großen Modeheiligen. Ihr wurden wunderbare Kräfte zugesprochen. Sie galt als die wichtigste Schutzheilige für eine große Familie und abgeleitet davon auch als die große Erzmacherin, weswegen ihr Bergwerke und Bergstädte wie Annaberg in Sachsen geweiht wurden.

Die heilige Maria

Der wichtigsten Heiligen und der großen Tochter Annas, der Maria, ist dann schließlich die letzte Wand gewidmet. Dort ist Maria als Himmelskönigin mit dem Christuskind auf dem Arm dargestellt. Sie steht auf einer Mondsichel, dem Zeichen der Nacht, der dunklen Mächte, die sie überwunden hat. Und um sie leuchtet ein dichter Strahlenkranz, der sie im Verständnis des Mittelalters ausweist als die lichterfüllte Erscheinung der Hoffnung am Ende aller Zeiten.
Hans Frenzel verehrte die hl. Anna deshalb ganz besonders, weil seine Ehe lange kinderlos geblieben war und er von ihr Hilfe erbat, damit seine Frau den ersehnten Nachfolger und Erben für die Familie, Geschäft und Reichtum gebären würde. Er stiftete der hl. Anna sogar die noch heute bestehende Annenkirche an der Steinstraße (a. R. heute Turnhall des Annen-Gymnasiums). Tatsächlich scheint seine Hoffnung nicht vergebens zu sein. Seine Frau wurde schwanger und gebar ihm noch mehrere Kinder, darunter der Sohn und Nachfolger Joachim, dessen Name abgeleitet ist vom Name des Mannes der hl. Anna.
Text: Marius Winzeler, lic. phil, Kunsthistoriker
Kulturhistorisches Museum Görlitz
OBEN