Hallenhäuser in Görlitz
Die Görlitzer Hallenhäuser
entstanden vor dem Hintergrund entscheidender, wirtschaftlicher Veränderungen in der Zeit um 1500. Das im Fernhandel privilegierte Görlitz war ungeheuer reich und seine Bürgerschaft hatte einen hohen kulturellen Anspruch. In Kombination mit einer zu dieser Zeit sehr weit gereiften Bautechnik entstanden in Görlitz Handelshöfe von höchstem künstlerischen Anspruch.Die Kaufmannsburg Frenzelhof
Erbaut im 15. Jahrhundert ist der Frenzelhof eines der ältesten Hallenhäuser in Görlitz. Johann Wolfgang von Goethe weilte einst in der Stadt und war von den Häusern der Tuchhändler derart fasziniert, dass er sie die „Kaufmannsburgen von Görlitz” nannte. Gelegen an der großen europäischen Handelsstraße „Via Regia” zählte dieses Hallenhaus zu seiner Zeit zu einem der wichtigsten hiesigen Handelshöfe. Heute bietet es seinen Gästen Einblick in die Geschichte des mittelalterlichen Görlitz. Wir haben für Sie einen Überblick über die Geschichte dieses faszinierenden Görlitzer Hallenhauses zusammengestellt.
„ Stark abweichend von den besprochenen Beispielen aus Städten des eigentlichen Schlesien, …, sind die Bildungen in Görlitz, das, früher nicht zu Schlesien gehörig, sich selbstständig entfaltete.“
Intensiver wird die Beschäftigung mit der Baugeschichte bürgerlicher Gebäude nach dem II. Weltkrieg. 1959 beginnend erscheint im Wasmuth-Verlag Thübingen unter dem Titel „Das deutsche Bürgerhaus“ eine ganze Reihe von Arbeiten zu diesem Thema, 1966 u.a. „Das Bürgerhaus in Schlesien“ von Rudolf Stein, gestützt auf die Arbeit von Burgemeister 45 Jahre zuvor.
Aber auch innerhalb der Stadt Görlitz wird das Interesse größer. Bereits 1959 dokumentiert eine Ausstellung „10 Jahre Denkmalpflege“ in Görlitz. Die damals entstandenen studentischen Aufmaße der TH in Dresden, die im Wesentlichen unter der Leitung von Dr. Klemm entstanden, sind auch heute noch Grundlage der Planungen. Es folgen eine Reihe von detaillierteren Auseinandersetzungen mit den Görlitzer Bürgerhäusern. Stellvertretend sei hier das ungebrochene, Widerständen trotzende Engagement von Prof. Lemper erwähnt. Nach vielen anderen Publikationen erscheinen von ihm 1984 und 1986 zwei Hefte zu Denkmalen der Stadt. Bereits 1972 gab es im Rahmen der Schriftenreihe des Ratsarchives der Stadt Görlitz eine Arbeit von Frank-Dietrich Jacob, der sich mit der bürgerlichen Hausanlage der Spätgotik und der Frührenaissance in Görlitz auseinandersetzt. Immer findet auch das Haus Untermarkt 5 Erwähnung. Die umfangreichste Auseinandersetzung mit diesem Haus findet sich in einer Arbeit von Heinrich Magirius zur 17. Jahrestagung des Arbeitskreises für Haus- und Siedlungsforschung, 1976.
Ausgehend von dieser Arbeit soll im Folgenden die Hausgeschichte des Objektes Untermarkt 5 bearbeitet und detailliert. Nach den Sanierungsarbeiten in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts hat es eine Reihe weiterer Untersuchungen gegeben, die die bisherigen Erkenntnisse zum Gebäude erweitern und auch hinterfragen. Dazu gehören die Arbeiten zur Bemalung der „Schatzkammer“ von Inga Arnold (1982) und Angelica Dülberg (2001) wie auch die recht umfangreiche Veröffentlichung „Görlitzer Hallenhäuser“ von Christoph Uricher (2003).


dreidimensionale Darstellung des Raumprogramms vor 1500 nach Magirius; Zeichnung: Frank Vater (ILL001)

Mit sehr großer Wahrscheinlichkeit bestand die Bebauung des untermarktseitigen, also nördlichen Teiles des Hauses zu dieser Zeit noch aus Fachwerk. Da es keinerlei nachvollziehbare Beschreibung aus dieser Zeit gibt, ist die Höhe dieses Teiles des Hauses nur zu vermuten. Angesichts der Bedeutung des Grundstückes und der oben angeführten Eigentümer lässt sich ein analoger Gebäudequerschnitt wie der des späteren Frenzel´schen Hauses denken.

dreidimensionale Darstellung des Raumprogramms um 1500 (erste Bauphase Frenzels) noch ohne Aussage zur Zentralhalle, Zeichnung: Frank Vater (ILL006)
Auch das Spitzbogenportal, inkl. seinen hervorgehobenen Basen jeder Stäbung, als Hauptzugang zum Gebäude aus Richtung Untermarkt lässt sich dieser Veränderungszeit zuordnen. Zeitähnliche Vergleichsbeispiele gibt es in Pirna, Meißen, Marienberg und Annaberg-Buchholz in der näheren Umgebung, auch im Zusammenhang mit den in Görlitz tätigen Baumeistern. Eine unmittelbare gestalterische Parallele zur Verwendung solcher Basen für Stäbung gibt es in Görlitz nur an den gotischen Fenstern des Hauses Nikolaistraße 14 und am Portal zum Raum 8 (Standesamt) im ersten Obergeschoss des Rathauses.
Entsprechend der Literatur zur Bemalung der „Schatzkammer“ schließt sich die Datierung der der Fertigstellung der Annenkapelle (1508-12) an.

Hans Frenzel hatte sich in den zurückliegenden Jahren seit der Übernahme des Gebäudes Untermarkt 5 und den ersten Baumaßnahmen um 1500 zu einem der bedeutenden Kaufleute in der Stadt etabliert. Nachdem ihm das Erbe nach dem Tod seines Schwiegervaters Caspar Tilicke die Herrschaft über das Dorf Friedersdorf und einen Teil des Dorfes Girbigsdorf einbrachte, hat er sein diesbezügliches Eigentum beträchtlich erweitert. 1504 erwarb er Königshain und einen Teil von Markersdorf, 1505 das Gut Kunnersdorf, 1511 Langenau. Gut denkbar, dass bei Frenzel auf dieser komfortablen wirtschaftlichen Grundlage und nach der Fertigstellung der Annenkapelle der Wunsch entstand, auch in seinem eigenen Haus Veränderungen vorzunehmen. Es stellt sich also die Frage nach den baulichen Aktivitäten Frenzels am Gebäude Untermarkt 5 bis zu seinem Tod 1526. Zudem mag ihn die Geburt seines ersten Sohnes 1512, nach 18-jähriger Ehe, und dessen Tod im gleichen Jahr zu mehr religiöser Aktivität herausgefordert haben. Interessant aber, dass Frenzel in seiner eigenen Lebensbeschreibung trotz detaillierter Angaben zum Aufwand des Baus Untermarkt 5 um 1500 und der Annenkapelle zehn Jahre später, keine weiteren baulichen Aufwendungen am eigenen Gebäude erwähnt. Öffentlich wahrnehmbare Stiftungen finden deutlich größere Beachtung in seiner persönlichen Außendarstellung. Offensichtlich erschienen ihm bauliche Erweiterungen an seinem eigenen Haus als Normalität.
Zeitlich begrenzt ist die Aktivität Frenzels an seinem Haus Untermarkt 5 natürlich durch seinen Tod im Jahr 1526, eingeschränkt aber auch schon durch andere Ereignisse in Görlitz in den zwanziger Jahren des 16. Jahrhunderts. Zum Einen mag die Pest, die zwischen Juli und Dezember 1521 in Görlitz ca. 2000 Todesopfer forderte, bei dieser zeitlichen Eingrenzung eine Rolle spielen. Eine andere Zäsur stellt der Stadtbrand im Juni 1525 dar, der mehr als 180 Häuser in der Stadt vernichtete, u.a. die „Läuben“ der Südseite des Untermarktes. Dazu kommt die sich seit 1521 in Görlitz anbahnende Reformationsentscheidung mit allen damit verbundenen Unruhen und nicht zuletzt die sich aufbauenden Spannungen zwischen Tuchmachern und dem Rat, die 1527 im Tuchmacheraufstand mündeten.
Wichtig erscheint die räumliche Erweiterung im Bereich des Durchganges (110/210) und die damit verbundene Unterkellerung (008/009). Mit der Ergänzung des Raumes südlich der „Schatzkammer“ (209) verbindet sich auch die endgültige, im Wesentlichen noch heute erlebbare Ausmalung. Eine weiter Erhöhung dieses Hausbereiches (senkrechte Achse D) erscheint nicht als zwingend. Das Gewölbe des darunter liegenden Raumes 210 verändert sich in barocker Zeit noch einmal. Möglicherweise kommt erst dann die Ergänzung um das nächste Geschoss.
Zu der südlich des Hauptgebäudes befindlichen Hinterhausbebauung gibt es keiner gesicherten Befund. Das 1976 entdeckte südliche Türgewände im Raum 416 deutet auf dreigeschossige Hinterhausbebauung während einer der beiden Frenzelschen Bauphasen hin. Inwieweit die Hinterhäuser von den Bränden betroffen waren, ist nicht dokumentiert.
Auch die verfügbaren Stadtansichten geben über die Hofbebauung keine verlässliche Auskunft. Am genauesten scheint die Zeichnung von Daniel Petzold aus dem Jahr 1714. Sie reagiert zumindest auf die baulichen Veränderungen der Renaissance an Schönhof und Untermarkt 4 und zeigt den Frenzelhof dazwischen als giebelständiges Gebäude. Unmittelbar darunter ist entlang der Bäckerstraße geschlossene Bebauung zu erkennen.
Eine wesentliche Zäsur stellt auch der 30-jährige Krieg dar. In den ersten Jahren der deutschlandweiten Auseinandersetzungen blieb die Stadt noch von Kriegszügen verschont, war aber zwischen 1623 und 1627 von einer Hungersnot betroffen. 1627 zogen Wallensteins Truppen durch die Oberlausitz. Es folgen Einquartierungen und Durchmärsche von verschiedenen Armeen und entsprechende wirtschaftliche Belastungen. 1632 folgt die Pest, welche mehr als 5000 Opfer forderte. Nach weiteren Auseinandersetzungen folgt 1637 die Übernahme der Oberlausitz durch den sächsischen Kurfürsten Johann Georg. Der Krieg war damit noch nicht zu Ende. Es folgen weiter Kämpfe und Belagerungen, u.a. der Schweden, ab 1639 bis 1641.
Dem schließen sich der verheerende Stadtbrand 1692, der große Teile der Stadt zerstörte, und bereits 1706/07 die nächsten Belastungen durch den Kämpfe zwischen Sachsen und Schweden an. Auch der Kampf der Österreicher mit den Preußen hinterließ in der Stadt Spuren. 1746 erst nur durch Einquartierungen der preußischen Armee und ab 1756 durch den Siebenjährigen Krieg.
Die kurze geschichtliche Zusammenfassung dieser Jahre verdeutlicht die schlechten Voraussetzungen für eine gute wirtschaftliche Entwicklung der Stadt. Wie als Spiegel dessen zeigt die auch die Aufzählung der vielen in diesen Jahren wechselnden Eigentümer des Gebäudes Untermarkt 5.
Joachim Frenzel, 1515 geborenen Sohn von Hans Frenzel, übernahm 1529 das Objekt Untermarkt 5. Seinen Lebensmittelpunkt verlagerte er aber eher nach Königshain, in den ursprünglich väterlichen Besitz und ließ dort bereits 1540 das Renaissanceschloss errichten. Auch fällt er nicht durch Kaufmannsgeschäfte auf. In seine Lebenszeit fällt auch der „Pönfall“ im Jahr 1547, der die wirtschaftliche Situation vieler Bürger der Stadt veränderte. Nur neun Jahre später bekommt er den 1547 als Lehen erklärten Landbesitz durch König Ferdinand I. als erbliches Eigentum zurück. Nach seinem Tod 1565 teilt sich das Familienerbe in der Familie Frenzel. Sein Sohn wird u.a. Eigentümer des Hauses Untermarkt 5, lebt aber selbst nur noch bis 1571. Ihm folgt der Ehemann seiner Schwester Corona, Adam Rehdiger. Rehdiger selbst entstammte einem Breslauer Patriziergeschlecht und verkaufte 1567 das Erbe seiner Frau (die Güter Lissa und Zodel) an den Görlitzer Rat, das Haus Untermarkt 5 schon 15 Jahre vor seinem Tod an den Sensenschmied Wolfgang Gneus. Hoche beschreibt auf der Grundlage der Quellen des Ratarchives eine Reihe Immobiliengeschäfte, die sich mit diesem Namen verbinden. Offensichtlich sind auch mit ihm, trotz seiner in den Akten dokumentierten Anerkennung in der Stadt, keine auffälligen baulichen Veränderungen am Haus Untermarkt 5 zu verbinden. Erst mit dem folgenden Eigentümer, Joachim Schmidt, kommt das Objekt wieder in den Besitz einer Görlitzer Kaufmannsfamilie. Schmidt kauft den Frenzelhof 1595 von der Witwe des Wolfgang Gneus für 2600 Mark, veräußert es aber bereits 1611 an den damals 55 Jahre alten Schuhmacher Georg Mücke. Seine dritte Frau Anna, Tochter des damaligen Gymnasialdirektor L. Ludovicus, übernimmt 1627 das Erbe ihres Mannes und heiratet in die Görlitzer Gelehrten- und Braubürgerfamilie Schäffer, die bereits in der zweiten Ehe ihres ersten Mannes eine Rolle spielte. Schon 1641 aber, nach dem Tod ihres zweiten Mannes, verkauft die Witwe das Haus an den Ratsherren Georg Cüchler (Küchler) und übereignet ihm nach ihrem Tod, drei Jahre später, in ihrem Testament weitere Vermögenswerte. Auch Küchler ist kein Kaufmann. Er war schon vor dem Kauf Mitglied des Rates, 1641 dann des Schöppenkollegiums und zwei Jahre danach Stadtrichter. Seine Erben veräußern das Objekt Untermarkt 5 nach dessen Tod 1646 an Johann Teißner, der von dem Rat der Stadt als Almosenverwalter berufen war und ein Jahr zuvor auch in die bereits oben erwähnte Familie Schäffer eingeheiratet hatte. Nach dem Ableben Teißners 1696 bleibt das Haus noch bis 1706 Eigentum der Erben. in diesem Jahr wechselt es in das Eigentum von Dr. med. Caspar Conrad Daum, Pfarrerssohn aus Sorau. Aber auch dieser Eigentumswechsel ist nicht ohne Familienbezug. Er heiratete genau in diesem Jahr die Enkeltocher Johann Teißners und Tochter des Dr. med. Johann Jakob Teißner und erwarb damit das Bürgerrecht in Görlitz. In wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten, wurde der Untermarkt 5 bereits 1736 aus einer Zwangsverwaltung heraus an den Akzisesteuereinnehmer Christian Ernst Cercovius verkauft, der bis zu seinem Tod 1758 allein und unverheiratet im Haus lebte. Von 1758 bis 1783 wurde sein Nachlass durch das Stadtgericht (Gerlachsche Verlassenschaftskasse) verwaltet. Im Bemühen um einen Verkauf entstand im Auftrag des Rates 1760 eine Baubeschreibung, welche, obwohl in nur kurzer Zeit erarbeitet, eine Zustand des Hauses zu dieser Zeit wiedergibt.
„ ... Der Giebel sei gemauert „nach Gotaischer Art“ in der untersten Abteilung des Giebels befanden sich „4 gedoppelte Fenster ohne Glas benebst 3 Statuen in Mannslänge: als das Bildniß Angeli Michaelis, B. Maria Virginis und S. Joh. Baptisten…“ Diese Plastiken existieren leider nicht mehr. Im Erdgeschoss des Hauses lag Pflasterboden. Es folgen Beschreibungen der verschiedenen Keller. „Forn heraus“ lag „12 Stuffen tieff ein Märtzenkeller“, Er diente also der Lagerung des sehr starken und beliebten Märzenbieres. Auch von meheren „Kuffengewölben“ ist die Rede, Räumen also, in denen Fässer gelagert worden. Im Hofbereich befand sich eine gemauerte Stätte mit einem Ziegeldache gedeckt in dem sich u.a. ein Waschkessel (Waschhaus) befand. Neben dem Waschhaus befand sich mit „guter Esse“ versehenes Brauhaus. Weiterhin lagen im Hofraum Räume mit einer Darre und einer gemauerte Malzbütte. Betrat man das Seitengebäude rechts vom Hofe aus fand man einen mit Ziegeldach gedeckten Abtritt. Betrat man das Hauptgebäude vom Untermarkt aus konnte man über man 12 Stufen den Saal vor der „Schenk Stube“ erreichen. Deren Fenster waren verglast. In ihr befand sich ein Ofen mit zugehörigem kupfernen Ofentopf. Links neben derem Vorsaale befand sich „das sogenannte Kirch Gewölbe. Es besaß ein offenes Fenster mit eisernen Gittern und Läden. Stieg man vom Vorsaale 15 hölzerne Stufen auf, erreichte man den Saal vor der Wohnstube in welchem sich auch ein steinerner Herd befand. Die Wohnstube verfügte über „gute Glasefenster mit Tafel Scheibe…(und) brauchbaren Ofen mit küpffernen Ofen Topffe“. Das Dach war mit Schindeln gedeckt. ...

„Auff dem Saale vor der Schenck Stube linker Hand ist das sogenannte Kirch Gewölbe, welches 19 ell. lang 7 ell. breit, halb ein Kuffen und halb ein Creutz Gewölbe, darinnen 1. offen Fenster mit eisern Gegitter und schadhaften Laden. Vor diesen Gewölbe ist auswendig eine eiserne und inwendig eine höltzerne mit eisen Blech beschlagn Thüre mit guten Schlößern befindtl.“...
„So dann gehet eine höltzerne Treppe von 15. Stuffen auff den fürdern Saal vor der Wohn Stube, welcher 17 ell. lang, 16 ¾ ell. breit, auff welchem ein steinerner Heerd mit einer auff Krack Steine gesetzte Feuer Mauer, ingkl. Ziere mit Bretten vorschlagene Lämmerungen, benebst einen Licht fenster, so auffbogen Seiten mit Bretten vorschlagen befindtl.
Noch ein kleines Säalgen hinten aus 8 ell. lang 5 ½ ell. breit worauff 2. Licht fenster mit Creutz Gewölben.
Forne heraus die Wohn Stube 10 ¼ ell. lang 10 ¼ ell. breit, hat 2. gute Glase Fenster mit Tafeln Scheiben, 1. brauchbaren Ofen mit küpffernen Ofen Topff.
Die Stuben Cammer 10 ¼ ell. lang, 7 ½ ell. breit, mit gedoppelten Glase Fenster von Tafel Scheiben, zu dieser Cammer ist der Fußboden schadhafft und unten der Decke nach dem Schönhofe zu liegen die Balcken, an welchen die Köpffe abgefault, auff einen höltzernen Qweer Balcken. Von vorgedachten Saale kömmt man auff 14. böser höltzern Stuffen auff den Boden, welcher 35 ell. lang 58 ell. breit.“...
„Acht hültzerne Stuffen hoch vom Saale hinten aus ist eine Stube, darinnen 2. gute Glase Fenster mit Tafel Scheiben befindtl. desgl. 1. schadhafter Ofen mit dergl. Gieps Decke. Diese Stube ist 17 ell. lang, 6 ½ ell. breit. Vor den bevden Fenstern befinden sich 3. Eiserne Saarken, Blumen Töpffe darauff zu setzen. Daneben 1. Alt Kofen 8 ell. lang 8 ell. breit. aus diesen gehet man auff 14 hültzernen Stuffen auff 1 Boden, so 20 ell. lang 6 ½ ell. breit mit guten Estrich und Schlepp Dach versehen. Zu nechst vorgedachter Stube hinten aus befindet sich eine Zulage zu einer Stube, welche 15 ell. lang, und 12 ell. breit worinnen 5. angelegte Fenster zu sehen.“
Angesichts des inzwischen über viele Jahre dokumentierten schlechten Bauzustandes im nördlichen Teil des Hauses sind in dieser Bauphase die letzten größeren Veränderungen einzuordnen. Geht man davon aus, dass in den Jahren nach der Baubeschreibung von 1760 keine großen Sicherungsmaßnahmen am Objekt durchgeführt wurden, ist inzwischen der gesamte nördliche Teil des Hauses von Verfall betroffen. Die Umbaumaßnahmen ziehen sich, wie heute noch erlebbar, durch alle Geschosse.
Der erste Schritt dieser Umbauten verbindet sich noch mit der Eigentümerschaft der Caroline Christiane Großmann, geb. Hedluf, die das Gebäude 1814 erbte. Leider ist diese Phase in den Bauakten der Stadt nicht dokumentiert. Grundsätzlich aber sind der Einbau der Gewölbe im Erdgeschoss, die Neugestaltung der Geschosse darüber, das Mansarddach und damit verbunden die Fassade baulich nicht zu trennen. Logisch erscheint in diesem Zusammenhang auch die Schaffung des Raumes 415a. Damit verbindet sich die Veränderung der Raumproportionen des Bereiches über der Treppe. Der bis dahin erlebbare Bogen der westlichen Wand der kleinen Halle (308) wird überbaut.
Weniger zwingend ist die Vervollständigung der Raumsituation im südlichen Teil des Hauses. Das Grabendach des nördlichen Teiles endet an der Nordwand der zentralen Halle (215). Es gibt keine konstruktive Beziehung zum hinteren Teil. Die sich heute präsentierende Raumgruppe 409/410 kann also auch erst später, ab der Neubert´schen Eigentümerschaft, entstanden sein. Die Bauakte gibt auch hier leider keine Auskunft.
Die baulichen Aktivitäten der Zeit zwischen 1900 und 1945 sind weniger umfangreich und beeinflussen kaum noch die bis dahin entwickelte Struktur des Hauses. Zu diesen Veränderungen gehört vor allem der Einbau einer für damalige Verhältnisse modernen Entwässerungsanlage mit separaten Toiletten im Haus. Diese Modernisierung folgt unmittelbar dem Bau des neuen Kanalnetzes der Stadt zwischen 1909 und 1913. Genutzt wird das Haus im Wesentlichen von der Familie Röder als Wohnhaus und für verschiedene Werkstätten.
1921 präsentierte Burgemeister in seiner Veröffentlichung „Das Bürgerhaus in Schlesien“ Grundrisszeichnungen des Gebäudes Untermarkt 5, auf denen spätere Darstellungen basieren. Immerhin beginnt sich das baugeschichtliche Interesse an den Auffälligkeiten des Görlitzer Hallenhauses zu entwickeln.
1920/21 erfolgte durch die staatliche Bauschule Görlitz eine Bauaufnahme, deren Ergebnisse in den Görlitzer Sammlungen für Geschichte und Kultur archiviert sind.
1925 entdeckte man die Bemalung der Schildwand der „Schatzkammer“ und legt sie teilweise frei. Den Stand der Freilegung dokumentiert ein Foto von Robert Scholz aus diesem Jahr. Die zehn Jahre später entstandene Fotografie von A. Jäschke zeigt bereits die ersten Verluste der Malerei.
1945-1990
Die Bemühungen zum Erhalt und um eine sinnvolle Nutzung des Hauses Untermarkt 5 (und des Nachbarhauses Untermarkt 4) dokumentiert am besten ein Anhang zu einem Entwurf einer Ratsvorlage aus dem Jahr 1968. Er zeigt das Bemühen um den Erhalt der Häuser Untermarkt 4 und 5, aber auch die Widerstände. Nach und nach beginnen die Sanierungsarbeiten. 1972 sind zumindest Fassade und Dach fertiggestellt und damit die Gebäude gesichert. Erst 1974 wird in beiden Gebäuden die Gaststätte „Goldener Baum“ eröffnet und damit die Sanierungen dieser Zeit im Wesentlichen abgeschlossen.
Da die Nachbargebäude Untermarkt 4 und 5 mit einem gemeinsamen Konzept bearbeitet werden, gibt es nach der Fertigstellung auch eine Reihe von räumlichen Bezügen zwischen den Häusern, die keine baugeschichtliche Bedeutung haben. Inzwischen sind die Gebäude wieder voneinander getrennt.
1982 erarbeitete Inga Arnold ihre oben bereits erwähnte Diplomarbeit an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg zum Thema der Ikonografie der „Schatzkammer“.
1990-2020
Im November 1991 endet die Nutzung des Gebäudes als Gaststätte und steht erst einmal leer. Parallel dazu wurde 1990-1992 die heute erlebbare Sanierung der Bemalungen, finanziert durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, von Frau Birgit Kühn durchgeführt. Vorab gab es verschiedene Untersuchungen, u.a. von Dr.-Ing. Klaus Ferstl aus Dresden, der sich mit dem Thermisch-hygrischen Verhalten der Schatzkammer im Haus Untermarkt 5 befasst und eine entsprechende Voruntersuchung, welche bei der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Görlitz archiviert ist, von Frau Kühne selbst.
Erst mit dem aktuellen Eigentümer begann, durchgeführt vom Ingenieur-Büro Eberhard Winter, die eigentliche Sanierung ab 1998 und es entstand das heute im Haus befindliche Hotel. Begleitend zu den Baumaßnahmen findet noch einmal eine umfangreiche Farbuntersuchung durch Restaurator Bernd Garte statt, die das ganze Haus erfasst.
Die Sanierung 1998
20 Jahre später - 2018


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